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Wandern im Alamut-Tal

Auf den Spuren der Assassinen im Iran

Wandern im Alamut-Tal im Iran - Auf den Spuren der Assasinen.Foto: ©Malte Ostendorf

Darf es auch mal etwas exotischer sein? Der Iran ist als Reiseland bisher eher ein Außenseiter, jedoch völlig zu Unrecht. Gerade für Outdoor-Fans bietet das Land im Mittleren Osten neben zauberhaften Wüsten-Expeditionen eine Menge Berge und Täler, die darauf warten erkundet zu werden – zum Beispiel das Alamut-Tal.

Die sagenumwobenen Assassinen haben in diesem kargen Landstrich im Nordwesten des Irans ihren Ursprung und terrorisierten zu Beginn des zweiten Jahrtausends ganz Kleinasien und Europa. Geschichts- und Archäologiefreaks können auf den Bergspitzen des Tals über 50 Burgruinen bestaunen. Die Festung Alamut (von der das Tal seinen Namen hat) ist von ihnen noch am besten erhalten und thront auf einem steilen Felsen in 2100 Metern Höhe über dem weiten Tal – wer hier oben steht, weiß, warum so viele Herrscher ihre Burgen am liebsten auf Berggipfeln errichtet haben. Nicht nur sind diese Festen schwerer einzunehmen, sondern der Blick lässt einen glauben, man beherrsche die Welt.

Das Alamut-Tal hat neben seiner berühmten Festung vor allem eines zu bieten: wilde, unberührte Natur. Hier wirst du nur einen einzigen ausgeschilderten Wanderweg finden (nämlich den zum Schloss), aber keine befestigten Klettersteige oder gar Almhütten. Auch andere Wandernde sind nach wie vor eine seltene Spezies.

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Doch ganz ehrlich: Wer braucht all das schon? Wenn dir ein Tal erforschenswert vorkommt, kannst du es hier einfach bewandern. Der Weg querfeldein über eine Wiese ist der kürzeste? Hier gibt es keine Weidezäune oder Gatter, die dich aufhalten. Du willst deine Wanderlust auch über der Schneegrenze ausleben? Nun, auch das ist möglich. Allerdings hat so viel Freiheit auch den Nachteil, dass es in dieser Region der Welt keine Bergrettung mit Helikoptern gibt. Das nächste Krankenhaus ist in Qazvin – und die medizinische Ausstattung dort könnte eventuell nicht dem entsprechen, was du von zuhause gewohnt bist.

Wann ist die beste Zeit, ins Alamut-Tal zu fahren?

Da das Tal recht hoch liegt, ist es hier im Gegensatz zu anderen Regionen des Irans auch im Sommer sehr erträglich. Die schönste Jahreszeit ist der Frühherbst, wenn die Bäume sich in allen Farben färben und einen starken Kontrast zu den kargen, schroffen Felsen bieten.

Wandern im Alamut-Tal - Der Assasinen-Felsen im Iran. ©Malte Ostendorf
Der Assasinen-Felsen im Alamut-Tal. ©Malte Ostendorf

Dafür liegt hier bereits recht früh Schnee und ein paar Orte können über Wochen und Monate von der Außenwelt abgeschnitten sein. Informiere dich eingehend über das Wetter, bevor du ins Alamut-Tal fährst.

Wie komme ich ins Alamut-Tal?

Das Alamut-Tal liegt nördlich der Stadt Qazvin und wird nicht von regelmäßigen Bussen oder Zügen bedient. Es gibt nur eine Straße, die in das Tal führt. Die einzige Möglichkeit, dorthin zu kommen, ist entweder mit einem Savari (Sammeltaxi) oder in einem eigenen Taxi. Alternativ kann es dir natürlich passieren, dass du durch einen Zufall jemanden kennen lernst, der Verwandtschaft im Tal hat, die dich holen kann – immerhin bist du im Iran unterwegs, wo so etwas keine Seltenheit ist.

Die Fahrt dauert trotz der geringen Kilometerzahl (es sind ca. 100 km bis zur Alamut-Festung von Qazvin) den ganzen Tag. Dein Fahrer wird mit dir über sich ewig windende Serpentinen erst bergauf, dann wieder bergab rasen. Ja, rasen – vorsichtiges Fahren ist keine Spezialität der Iraner. Wenn dir schnell übel wird, solltest du vor Fahrtantritt etwas gegen Reisekrankheit nehmen, damit du die Fahrt überstehst. Du wirst bei der Ankunft, zum Beispiel in Gazor Khan, dem Dorf am Fuße der Alamutfestung, mit einem atemberaubenden Ausblick belohnt.

Wandern im Alamut-Tal - Laubbäume in unterschiedlichen Farben im Iran. ©Malte Ostendorf
Foto: ©Malte Ostendorf

Wo schlafe ich in Gazor Khan?

Gazor Khan ist kein besonders schönes Dorf. Es besteht aus einer Ansammlung von Hütten, deren Bewohner dir gerne ein Zimmer vermieten. Sobald du aus dem Taxi steigst, werden ein paar von ihnen dir sicher eine Übernachtungsgelegenheit anbieten. Ein paar von ihnen haben es sogar mit einem Listing in die einschlägigen Iran-Reiseführer geschafft. Wie überall im Iran, solltest du den Preis für diese einfache Unterkunft trotzdem aushandeln. Die Dorfbewohner verlangen teils horrende Beträge für ein kaltes Zimmer in ihrem Nebenhaus – wenn europäische Reisende sie einfach bezahlen, erhöht sich der Preis für alle nachfolgenden Besucher aus dem In- oder Ausland.

Erwarte jedoch keinen Komfort. Duschen wirst du wahrscheinlich erst wieder in Qazvin können. Geheizt wird meistens mit übelriechenden Dieselöfen oder traditionellen Kohleöfen, die in der Mitte des Zimmers unter einem Haufen Decken begraben sind. Das hat den Vorteil, dass die Wärme unter der Bettdecke gespeichert wird und du es die ganze Nacht warm hast.

Lese-Tipp: Verhaltensregeln für Iran: Kulturknigge – 4 Dinge, die du bei einer Reise in den Iran beachten solltest

Welche Wanderungen sind die schönsten?

Das fragst du am besten die Locals. Die meisten sprechen zwar kein Englisch, aber mit ein paar Brocken Farsi und Hand-Fuß-Kommunikation (und vielleicht sogar einem Zeige-Wörterbuch) sollten die meisten verstehen, was du möchtest.

Der Trek zur Alamutfeste ist der offensichtlichste, aber keine tagesfüllende Aktivität. Nach ca. 25 Minuten schweißtreibenden Treppensteigens bist du auf dem Felsen und kannst die unschlagbare Aussicht genießen. Danach geht es entweder wieder bergab und querfeldein ins Hinterland oder mit dem Taxi nach Razmiyan zur Lamiasar-Festung. Auch einen Blick wert ist der südlich von Gazor Khan gelegene Canyon, durch dessen Tal sich ein Wildfluss schlängelt.

Wandern im Alamut-Tal - Canyoning mit Fluss im Iran. ©Malte Ostendorf
Foto: ©Malte Ostendorf

Aber du wirst es bereits bemerkt haben: Im Alamut-Tal kommt es nicht darauf an, bestimmten Wegen oder Touren zu folgen. Die Natur ist atemberaubend schön und völlig unverbaut. Pack einen Kompass und etwas zu essen ein und lauf einfach drauflos. Genieße das Gefühl, an einem der letzten wirklich unberührten Orte der Welt zu sein.

Fotos: Malte Ostendorf