Wetterkunde gehört besonders in den Bergen zum Basiswissen für Outdoor-Fans. Klar kannst du bei Tagestouren vorher den Wetterbericht checken. Bei mehrtägigen Touren im Gebirge ist es dagegen entscheidend, Wetterphänomene richtig deuten zu können. Denn der Wetterumschwung kommt hier mitunter plötzlich und ein Gewitter kann richtig gefährlich werden.

Das Wetter ist wohl mit der wichtigste Faktor für den Erfolg deiner Tour – egal ob beim Wandern, Trekking, Mountainbiken oder auf dem Wasser. Vor dem Start solltest du also immer den Wetterbericht checken. Der Deutsche Alpenverein bietet dazu zuverlässige Vorhersagen für das Bergwetter in den Alpen. Hast du dein Smartphone dabei und hat es Empfang, kannst du auch unterwegs immer mal wieder checken, ob nicht etwa ein Unwetter im Anmarsch ist – am besten mit der App bergfex/Wetter für Android oder iOS.

Bei mehrtägigen Touren abseits der Zivilisation solltest du dich aber nie ganz auf die Technik verlassen. Behalte deine Umwelt immer im Auge. Besonders in den Bergen kann das Wetter schlagartig umschlagen. Unsere kleine Wetterkunde hilft dir dabei, die Zeichen der Natur richtig zu deuten, um nicht plötzlich im Regen zu stehen.

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Das Barometer als zuverlässiger Indikator fürs Wetter

Veränderungen des Luftdrucks sind ein sicheres Zeichen für Wetterveränderungen. Das Problem ist nur: Luftdruck kannst du nicht sehen. Dafür gibt es jedoch Barometer. Mittlerweile sind die Geräte so klein, dass du sie ganz einfach in der Hosentasche verstauen kannst. Auch Armbanduhren mit integriertem Barometer gibt es.

Um anhand des Luftdrucks zu bestimmen, wie sich das Wetter verändert, gibt es eine Richtlinie: Fällt der Luftdruck innerhalb kurzer Zeit stark ab, kündigt sich schlechtes Wetter an. Bei einem Abfall von 1 bis 2 hPA (Pascal pro Stunde) musst du mit einem heftigen Unwetter rechnen.

Bei langsamem Sinken des Luftdrucks kannst du davon ausgehen, dass eine längere Schönwetterphase langsam zu Ende geht. Doch nicht immer hast du ein Barometer zur Hand. Dann helfen dir die Zeichen der Natur, um das Wetter vorherzusagen.

Wettervorhersage anhand der Wolken: Kleine Wolkenkunde

Wolken sagen sehr viel darüber aus, wie sich das Wetter in den nächsten Stunden entwickelt. Sie speichern verdunstetes Wasser aus Meeren, Seen und Flüssen, tragen es weiter und verteilen es anschließend wieder in Form von Regen oder Schnee. Wie bald und wie heftig dies geschieht, verrät ihre Form. Wolken gehören also zu den wichtigsten Indikatoren für die Wetterkunde. Wir stellen dir die die wichtigsten Wolkenformen vor und verraten, welches Wetter sie bringen.

Cirruswolken am Himmel kündigen oft schlechtes Wetter mit Regen an.

Cirrus-Wolken

Cirrus-Wolken werden auch Federwolken genannt. Das beschreibt ihr Aussehen ziemlich treffend: Sie sind meist dünn und fasrig und bestehen aus Eiskristallen. Sie sind Vorboten einer Warmfront und können Regen ankündigen, falls sie sich zu Schleierwolken (siehe Cirrostratus-Wolken) verdichten. Dieser Vorgang kann bis zu zwei Tage dauern.

Cirrocumulus-Wolken bedeuten schlechtes Wetter mit Gewitter.

Cirrocumulus-Wolken

Hier handelt es sich um dünne, kleine, weiße Eiskristallwolken – entweder gleichmäßig verteilt oder in Form von Schäfchenwolken – die uns meistens ein kräftiges Gewitter bescheren.

Cirrostratus-Wolken kündigen eine Warmfront an. Das bedeutet Regen in ein bis zwei Tagen.

Cirrostratus-Wolken

Schleierwolken, wie diese Wolken auch genannt werden, gehören genauso wie die beiden oben genannten Formen zu den hohen Wolken und bestehen aus Eiskristallen. Sie bedecken meist den gesamten Himmel und dämpfen die Sonneneinstrahlung. Sie deuten ebenfalls auf die Ankunft einer Warmfront hin und kündigen Regen in ein bis zwei Tagen an.

Altocumulus-Wolken bedeuten schönes Wetter.

Altocumulus-Wolken

Die Form von Altocumulus-Wolken kann als Haufenwolke beschrieben werden. Anders als Cirren, bestehen sie aus feinen Wasserströpfchen. Sind sie am Himmel, musst du keine Niederschläge befürchten.

Sind Altostratus-Wolken am Himmel folgt oft leichter bis mäßiger Niederschlag.

Altostratus-Wolken

Altostratus-Wolken sind faserige, gräuliche oder bläuliche Schichtwolken. Sind sie am Himmel, ist die Sonne verschwommen zu erkennen. Oft folgt andauernder leichter oder mäßiger Niederschlag.

Stratocumulus-Wolken sind weiße oder graue ballenförmige Wolken.

Stratocumulus-Wolken

Die weißen oder grauen Schichtwolken mit dunklen Flecken befinden sich in mittlerer Höhe und sind meist ballen- oder walzenförmig. Im Unterschied zu Cumuluswolken – die immer einzeln sind – sind Stratocumulus-Wolken unten zusammengewachsen. Zumeist bringen sie keinen Niederschlag, sind jedoch von Wind begleitet.

Stratus-Wolken sind Vorboten für Sprühregen oder feinen Schnee.

Stratus-Wolken

Im Volksmund bezeichnet man diese Wolkenform als Hochnebel, also eine graue Wolkenschicht mit gleichmäßiger Untergrenze. Sprühregen oder feiner Schnee sind zu erwarten.

Nimbostratus-Wolken sind grau und so dicht, dass sie die Sonne verdecken.

Nimbostratus-Wolken

Sie sind die typischen Regenwolken: eine graue, dunkle Wolkenschickt in relativ niedriger Höhe, die anhaltenden Regen oder Schnee ankündigt. Nicht unbedingt das beste Wetter zum Wandern.

Cumuluswolken sind einzeln und meisten strahlend weiß, wenn sie von der Sonne beschienen werden.

Cumulus-Wolken

Cumulus-Wolken sind typische Schönwetterwolken. Sie erschienen als einzelne, dichte Haufenwolken. Unten ist ihr Rand flach, während sie oben blumenkohlförmig aussehen. Regen musst du erst mal nicht befürchten.

Cumolonimbus-Wolken sind typische Gewitterwolken, die sich hoch auftürmen.

Cumulonimbus-Wolken

Sind diese Wolken am Himmel zu sehen, suchst du dir am besten schnell einen sicheren Unterschlupf. Denn Cumulonimbus-Wolken sind Gewitterwolken. Sie türmen sich hoch auf und sind an ihrer dunklen Farbe zu erkennen. Starke Schauer und Gewitter stehen unmittelbar bevor.

Kondensstreifen als Hilfsmittel bei der Wetterkunde

Kondensstreifen von Flugzeugen können ebenfalls ein guter Indikator für mögliche Wetterveränderungen sein, da sie die Luftbewegungen am Himmel sichtbar machen. Lösen sich die Streifen rasch auf und bleiben kaum am Himmel stehen, ist die Luft trocken – ein Hinweis darauf, dass die stabile Schönwetterlage auch weiter erhalten bleibt.

Lösen sich die Kondensstreifen nicht auf, steigt die Luftfeuchtigkeit. Das deutet auf Regen hin. Zerfransen die Streifen schnell am Himmel, sind starke Höhenwinde vorhanden. Auch das verheißt nichts Gutes. Vermutlich musst du dich auf schlechtes Wetter einstellen.

Kondensstreifen am Himmel über den Bergen helfen bei der Bestimmung des Wetters.

Wettervorhersage mit Hilfe des Windes

In den deutschen Alpen sagt auch die Windrichtung einiges darüber aus, wie sich das Wetter in den nächsten Stunden und Tagen entwickeln wird. Kommt der Wind aus Nordost bis Ost, verspricht das so fast immer gutes Wetter.

Wind aus süd-westlicher Richtung hingegen deutet auf ein nahendes Tief hin. Kommt der Wind aus Süden heißt das in den Nordalpen ziemlich sicher eines: Föhn. Du kannst dich also zunächst über warme Temperaturen freuen. Der Wetterumschwung ist jedoch nicht fern.

Grundsätzlich musst du den Wind für deine Vorhersage über einen längeren Zeitraum beobachten – am besten an einer Stelle, an der die Luft nicht durch Hindernisse in der Umgebung verwirbelt ist. Ändert sich die Windrichtung, ist das ein sicheres Zeichen für einen Wetterwechsel.

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Tiere als Indikator für den Wetterumschwung

Der Blick ins Tierreich hilft dir ebenfalls bei der Vorhersage des Wetters – jedoch nur, wenn du bei deiner Tour auch tatsächlich Tieren begegnest. Tiere zeigen je nach Wetter ein ganz bestimmtes Verhalten. Kühe, die am Berg weiden, zum Beispiel bewegen sich bei drohendem Regen oder Gewitter hangabwärts. Weiter unten sind sie dem Wetter nicht ganz so schutzlos ausgeliefert. Auch Wildtiere wie Rehe suchen bei einem drohenden Gewitter Schutz im Unterholz. Außerhalb des Waldes sind sie nicht mehr anzutreffen, sobald sich ein Wetterumschwung ankündigt. Mücken und Schwalben fliegen tief, wenn Regen am Himmel steht.

Schönes Wetter können dir zum Beispiel Spinnen anzeigen. Sie arbeiten effektiver an ihrem Netz, wenn ein stabiles Hoch bevorsteht. Die Insekten sind auf gutes Wetter angewiesen, denn Sturm oder Regen würde das Netz zerstören, für das sie lebenswichtige Energie investiert haben. Auch Bienen sind nur bei schönem Wetter aktiv. Ziehen sie sich in ihren Stock zurück, steht schlechtes Wetter bevor.

Fazit: Wetterbericht checken und mit offenen Augen durch die Natur gehen

Vor jeder Tour solltest du erst einmal den Wetterbericht checken und kein Risiko eingehen, falls es bereits im Vorfeld unbeständig aussieht. Vielleicht ist eine Tagestour eine gute Lösung, wenn du dir nicht sicher bist, wie lange eine Schönwetterphase tatsächlich hält. Eine gute Idee ist es auch, möglichst früh am Morgen loszuwandern. Denn Gewitterfronten ziehen meist erst am Nachmittag auf – wenn du bereits auf der Hütte oder zurück im Tal bist.

Ansonsten geben dir die oben genannten Indikatoren wichtige Hinweise auf bevorstehende Veränderungen. Allerdings kannst du dich nie zu hundert Prozent darauf verlassen – es sind einfach zu viele Faktoren, die beim Wetter eine Rolle spielen. Nicht umsonst irrt auch der Wetterbericht professioneller Meteorologen von Zeit zu Zeit – gerade für gebirgiges Gelände, wo es besonders oft rasche, kleinräumig recht unterschiedlich verlaufende Änderungen im Wettergeschehen gibt. Am meisten Erfahrung haben hier Einheimische, wie zum Beispiel Hüttenwirte. Sie kennen das Wetter in „ihren“ Bergen besonders gut und können die Zeichen richtig deuten.